Vorschau Brandis-Argovia Stars

Kaufmann Gasser

Vorschau folgt am Dienstag 15.11.2016 Die zwei Lausbuben im Brandis-Tor

Von Päscu Müller

Die Brandis-Keeper plaudern aus dem Nähkästchen. Dabei sprechen sie über ihre unterschiedlichen Stile, wie der eine vom anderen profitiert und wie sie überhaupt den Weg ins Tor gefunden haben. Kaufmann und Gasser erklären zudem Begriffe wie „Windmühle“ und „Schiffchen“.

Wer lässt sich schon gerne von einer Hartgummi-Scheibe, welche mit bis 160 km/h abgefeuert werden kann, eindecken? Die Antwort ist simpel: Eishockey-Goalies. Auf die Frage, ob Goalies nicht ein wenig bescheuert sein müssen, zögert Lukas Gasser nicht lange:“ Es ist schon speziell, sich diesen Pucks entgegen zu stellen, da musst du wohl einen Ecken ab haben“, erklärt er lachend. „Aber das ist doch gerade der Reiz bei dieser Angelegenheit. Als Goalie kannst du entscheidenden Einfluss aufs Spiel haben, 50-60 % kann das schon mal ausmachen“, präzisiert er. „Wenn du die reinlässt, sieht es schlecht aus, das Spiel noch zu gewinnen“. Damit unterstreicht Gasser die Wichtigkeit dieser doch etwas verrückten Position. Der EHC Brandis ist auf genau dieser Position mit Lukas Gasser (Jg. 93) und dem routinierten Michael Kaufmann (Jg. 86) ausgezeichnet besetzt. Beide Brandis-Goalies weisen eine Fangquote von 93 % auf. Dieser Wert ist überdurchschnittlich, sogar exzellent.

„Mich hat die Ausrüstung beeindruckt“

Als Knabe die Sportart Eishockey zu wählen, ist das Eine, sich ins Tor zu stellen das Andere. Lukas Gasser nimmt da kein Blatt vor den Mund: “Mir hat man schon früh mitgeteilt, dass das als Spieler nicht reicht. Es würde Sinn machen, wenn ich mich ins Tor stelle“. Ein schelmisches Grinsen kann er sich dabei nicht verkneifen. Etwas anders verlief dies beim routinierteren Michael Kaufmann. Er besuchte als 5-jähriger Knirps mit seinem Vater ein Junioren-Turnier. „Die Ausrüstung hat mich dabei sehr beeindruckt, dieser Helm, die Beinschoner“, schwärmt er. „Dazu habe ich gesehen, wie die Feldspieler auf dem Eis gecheckt wurden, das hat mir dann gar nicht gefallen“, erklärt er seine Faszination grinsend. „Ich dachte mit dieser Goalie-Ausrüstung, da kann dir gar nichts passieren“. Die in der Garderobe anwesenden Teamkollegen lachen laut los, als sie diesen Satz ihres Keepers hören. Vermutlich war ihnen der Umstand, wie ihr Goalie überhaupt ins Tor kam, auch nicht wirklich bewusst. Es ist spürbar, die beiden sind nicht nur ein bisschen verrückt, die beiden sind Lausbuben.

Butterfly vs. Konservativ – Beide profitieren von einander

Die beiden Keeper unterscheiden sich nicht nur im Alter, sondern auch in ihrem Spielstil. Michael Kaufmann beispielsweise ist ein sogenannter Hybrid-Goalie. „Früher spielte ich konservativer, durch unseren Goalie-Trainer Hans Mosimann, lernte ich auch die andere Form kennen und habe viel dazu gelernt“, erklärt er. Ein Hybrid-Goalie ist übrigens eine Mischung aus Konservativem und Butterfly. „Die konservativen Goalies haben unkonventionelle Abwehrparaden, wie das Schiffchen, der Lüku hat so etwas nie gelernt“, präzisiert er mit einem lachenden Seitenblick Richtung Lukas Gasser. „Ja vom Schiffchen habe ich auch schon gehört, ich habe gar nicht gewusst, dass man das in deinem Alter noch drauf haben kann“, gibt Gasser grinsend zurück. Zwei Lausbuben eben.
Plötzlich schwärmen die Beiden im Hockey-Goalie-Jargon von „Chicken wings“ und der „Windmühle“.
„Die Windmühle hat Michu perfektioniert“, erklärt Gasser anerkennend. Bei der Windmühle handelt es sich um ein Showelement. Dabei wird bei einer sicheren Abwehr in der Fanghand, der Arm ein paar Mal gedreht.„Ach das gehört zu mir dieses Spektakel, die Trainer kennen mich gut genug und tolerieren das“, fügt Kaufmann bei.
Spürbar ist, dass sich die beiden Brandis-Keeper prächtig verstehen und auch voneinander profitieren.
„Er hat viel Erfahrung, die mich weiterbringt, in meinem Alter kann ich die noch nicht haben“, sagt Lukas Gasser anerkennend. Kaum ausgesprochen fällt ihm Kaufmann beinahe ins Wort: „Ich merke, dass da ein Junger nachdrückt und muss mich in jedem Training in den Arsch klemmen, damit ich einigermassen mithalten kann“, gibt er seinen Eindruck an den Jüngeren weiter.
Wer von den beiden Keepers heute gegen die Argovia Stars den Kasten hütet, steht nicht eindeutig fest. In der Regel wechseln sich die Beiden alle zwei Spiele ab.
(pmu)