Vorschau Brandis- Thun

Reinhard Michel vk

Vorschau folgt am 30.11.2016 Die Leiden eines verletzten Spielers – zum Zuschauen verdammt

Von Päscu Müller

Der EHC Brandis beklagt im Moment den einen oder anderen verletzten Spieler. Einer davon ist Verteidiger Michael Reinhard. Die Zeit der Rekonvaleszenz sei nicht immer einfach, besonders seine Teamkollegen spielen sehen nicht. Trotzdem versucht er positiv zu bleiben.

Neben Raffael Rüfenacht (Hüftoperation), Manuel Schaad (Schulter) und Sandro Hain (Schlüsselbein gebrochen), ist auch Verteidiger Michael Reinhard zur Zeit verletzt. Verletzte Spieler kämpfen nicht nur mit ihren Verletzungen und nach ihrer Genesung mit einem konditionellen Rückstand, sondern bisweilen auch mit ihren Nerven. Den Teamkollegen zu zuschauen, während diese auf dem Eis um Punkte kämpfen, ist nicht immer gleich einfach. Michael Reinhard, mit vier erzielten Toren vor seinem Ausfall, als Verteidiger erfolgreich, will aber mit seinem Schicksal nicht hadern. „Es war mein Fehler, den ich ausbügeln wollte, dabei habe ich mir das Knie verdreht“, erklärt er. Das Missgeschick geschah anlässlich des Meisterschaftsspiels vom 29. Oktober in Adelboden. Dabei riss sein Innenband am rechten Knie. Ironie des Schicksals: Die Verletzung zog sich Reinhard wenige Minuten vor Spielende zu. Brandis gewann die Partie damals mit 4:2. Trotz seiner Verletzung ist Michael Reinhard bei jedem Spiel seines Teams dabei.

Kraftraum statt Eistraining

Eine solche Verletzung verheilt nicht von heute auf morgen. „Sechs bis acht Wochen werde ich wohl nicht mitspielen können“, sagt er betrübt. Bleibt es bei diesem Heilungsprozess würde er wieder Mitte Dezember auf den Kufen stehen. Brandis bestreitet das letzte Meisterschaftspiel des Jahres 2016 am 17. Dezember gegen Bellinzona. Dafür wird es kaum reichen. Angst davor, alle konditionellen Grundlagen aus dem harten Sommertraining zu verlieren, hat Reinhard weniger. „Es ist ja nicht so, dass ich gar nichts mehr machen kann, einzig was die Ausdauer und Spritzigkeit betrifft, fange ich wohl wieder von vorne an“. Deshalb ist Michael Reinhard häufig im Kraftraum anzutreffen, wenn seine Teamkollegen auf dem Eis ihre Einheiten absolvieren. „Rumpf und Oberkörper trainiere ich, einfach das Bein muss ich völlig stillhalten“. Reinhard trägt eine stützende Schiene, auch während der Nacht. Nicht nur bei den Trainings ist er meistens dabei, sondern auch wenn Spiele anstehen (dies gilt für Schaad, Hain und Rüfenacht ebenfalls). Wie alle anderen des Teams ist Reinhard rund 90 Minuten vor Spielbeginn im Stadion.

„Kommt darauf an, wie sie spielen“

Anstatt aber zu spielen, ist er zum Zuschauen verdammt. „Die ersten paar Spiele nach der Verletzung, habe ich auf der Tribüne richtig gelitten, erzählt er lachend. „Mittlerweile ist es böse gesagt schon fast ein bisschen Routine“. Es ist nicht nur die Gewohnheit, die alles ein bisschen erträglicher macht, die Leistung seines Teams auf dem Eis spielt da auch eine wesentlichere Rolle. „Es kommt darauf an wie meine Teamkollegen spielen“, grinst er. „Wenn sie gut spielen, geht es mir besser, das macht die Verletzung erträglicher“. Auch sonst versucht Reinhard, aus seiner Verletzung, möglichst etwas Positives heraus zu ziehen. „Von der Tribüne sehe ich Dinge, die ich auf dem Eis nicht sehen würde. Daraus kann ich etwas lernen“.
Es ist zu hoffen, dass Michael Reinhard im heutigen Spiel gegen den EHC Thun auf der Tribüne möglichst nicht leiden muss. Dies würde bedeuten, seine Teamkameraden unten auf Eis machen, auch ohne ihn einen guten Job. Gegen Thun haben die Emmentaler noch eine Rechnung offen. Zwar gewann Brandis am 15. Oktober in Thun mit 6:1 deutlich, doch die verlorene Playoff-Finalserie der vergangenen Saison, dürfte immer noch den Einen oder Anderen ärgern. (pmu)