Vorschau Brandis - Neuchâtel

MBlaser 600

«Es ist eine Kopfsache»

Von Päscu Müller

Jeder Spieler hat sein eigenes Aufwärm-Ritual. Bei Marco Blaser ist es Ping-Pong oder besser ausgedrückt Tischtennis. Nicht nur das, ist am Brandis Stürmer mit der Nummer 18 speziell, sein Stock ist es ebenfalls. Wie viele Stöcke in einer Saison ihren Dienst quittieren, erklärt Marco Blaser.  

Sie sind vielfältig, die Aufwärm-Rituale vor einem Spiel. Die einen ziehen ihr eigenes Dehnprogramm durch, andere findet man im Kraftraum, die meisten spielen im Kreis Fussball. Auch da mit klaren Regeln, denn wer den Ball fallen lässt, geht dehnen. Nicht so Marco Blaser. Bei ihm ist es Tischtennis, nicht abschätzig Ping-Pong. Vor jedem Match fordert er Mitspieler zum Duell. «Mein grösster Konkurrent ist Matthias Seematter, danach Manuel Schaad». Bisweilen wärmt sich Marco Blaser beim Tischtennis auch gegen Roman Messerli und Noel Tschanz auf. Die beiden haben dabei aber kaum eine Chance. Entscheidend für ein erfolgreiches Spiel, ist nicht was der Einzelne beim Aufwärmen macht, sondern wie. Auch da gilt es fokussiert zu sein, um einerseits mit der bestmöglichen Konzentration ins Spiel zu gehen und andererseits seinen Körper auf Betriebstemperatur zu bringen. Es wird einer von vielen Faktoren sein, ein Spiel erfolgreich zu gestalten. Auch im Spiel gegen den HC Université Neuchâtel. Denn dabei hat der EHC Brandis etwas gut zu machen. In Neuenburg nämlich wurde der mögliche Sieg nach einer 4:2-Führung in den letzten acht Minuten regelrecht verschenkt.   

«Es gilt drei Punkte zu holen»
Marco Blaser denkt nicht gerne an diese Niederlage zurück: «Da habe ich sehr schlechte Erinnerungen, wir hatten das Spiel eigentlich im Griff». Beim Gespräch zwei Monate danach, nervt sich Blaser immer noch: «Das war ein sehr schlechtes Beispiel, wie wir Hockey spielen sollten». Der Brandis-Stürmer will den Fokus aber nicht auf das vergangene, sondern auf das kommende Spiel lenken: «Was passiert ist, ist passiert, dieses Spiel ist abzuhaken. Es gilt heute die drei Punkte zu holen und fertig», meint er kurz und bündig. Es war genau eines dieser Spiele, die die Ausgeglichenheit in dieser Liga widerspiegeln. Brandis, als Leader an der Neuenburgersee gereist, konnte aus welchen Gründen auch immer, sein Spiel nicht durchziehen und verlor prompt gegen den Tabellenletzten. Ohne volle Bereitschaft, volle Konzentration und viel Leidenschaft gewinnt man in dieser Liga keine Spiele. Auch nicht gegen den Tabellenletzten. Etwas Glück gehört manchmal auch dazu. Diese kann man aber erzwingen oder mindestens viel dafür tun. Und genau dies fängt bei einer konzentrierten Aufwärmphase an.    

«Ich fühle mich einfach wohl damit»
Vieles ist dabei auch Kopfsache. Sei es die Aufwärmphase oder Rituale. Auch eine Kopfsache ist der Stock eines jeden Spielers. Zwar wird dieser an den Händen geführt, wie diese aber gehegt werden, ist Kopfsache. Marco Blaser beispielsweise hat das Stockende knüppeldick bandagiert. «Ich habe das bei Todd Elik gesehen, er war in meiner Kindheit ein grosses Idol, seither mache ich das so», erklärt Blaser. Sofort entstehen in der Garderobe Diskussionen, insbesondere über die Balance des Stocks. Sandro Hain und Michael Gurtner mischen sich ein, nehmen Blasers Gerät in die Hand. Gurtner meint, dies sei einfach ein riesen Knüppel. Bei Marco Blaser ist nicht die Balance der Hauptgrund: «Ich fühle mich einfach wohl damit, das ist wohl eher eine Kopfsache», meint er verschmitzt. So sehr diese Stöcke gehegt werden und für den Kopf wichtig sind, sie gehen auch zu Bruch. «Bei mir sind es schon so zwölf bis fünfzehn Stöcke während einer Saison», sagt Blaser. Sandro Hain bestätigt für sich diese Zahl. Es ist zu hoffen, dass nicht einer dieser Stöcke ausgerechnet in einer spielentscheidenden Situation gegen den HC Université Neuchâtel seinen Dienst quittiert. Insbesondere nach vier Niederlagen in Serie gegen Bülach, Düdingen, Dübendorf und Basel, müssen auch diese kleinen Faktoren alle stimmen, um wieder auf die Siegesstrasse zu finden.

(pmu)