Vorschau Brandis-Dübendorf 24.01.18

NTschanz 600

 «Spiele gerne gegen Zürcher Klubs»

Von Päscu Müller 

Mit Gitter spielen müsste Noel Tschanz eigentlich nicht mehr. Er tut es trotzdem. Der Neuzugang aus der Juniorenbewegung des SC Bern ist der Team Benjamin bei Brandis. Was dies unter Anderem bedeutet und weshalb er gerne gegen Zürcher Klubs spielt, erklärt der solide Verteidiger offen.     

Noel Tschanz ist neben Stefan Oberli der Einzige, der regelmässig mit einem Gitter am Helm, statt eines Plexi-Schutzes spielt. Bei Oberli hat das Tradition, bei Tschanz einen triftigen Grund. In der letzten Saison – noch in Diensten der Elite Junioren des SC Bern – brach er sich den Kiefer. Dieser Bruch wurde längst operiert. Um die operierte Stelle besser zu schützen, entschloss sich Noel Tschanz mit einem Gitter zu spielen. So auch zu Beginn der neuen Saison beim EHC Brandis. Umso mehr, als sich der jüngste Spieler im der Emmentaler, im Oktober die Verankerungen im Kiefer herausnehmen lassen musste. «Seither habe ich mich daran gewöhnt, es stört mich nicht», meint der junge Verteidiger. «Auch wenn da manchmal blöde Sprüche kommen, es ist schliesslich meine Gesundheit». Dass diese Sprüche teilweise gemacht werden, kann ihm sicher Stefan Oberli bestätigen. Immer wieder werden die «Gitterler» als Junioren gesehen. Bei Noel Tschanz stimmt das sogar beinahe. Er spielt seine erste Saison bei den «Grossen» mit. Seine gesamte Ausbildung absolvierte er bei den Junioren des SCB, mit einem Abstecher nach Canada bei den Maroon Mavericks. Neben dem Eishockey absolvierte Noel Tschanz eine kaufmännische Lehre. Er arbeitet heute zu 60 Prozent auf seinem Beruf und will die Berufsmaturität nachholen. Im Team der Emmentaler ist er der Jüngste.

«Sind alles liebe Kerle»
Für die jüngsten in einem Eishockey-Team gelten ungeschriebene Gesetze. So ist beispielsweise Noel Tschanz dafür verantwortlich, dass nach einer Auswärtsfahrt im Team-Bus, der Unrat ordentlich entsorgt wird. «Ach das war schon bei den Elite-Junioren in Bern so, solange das im Rahmen bleibt, ist das völlig okay», erzählt Tschanz schmunzelnd. Alles alleine machen muss er natürlich nicht. «Derjenige, der im Training im Penaltyschiessen verliert, der muss jeweils helfen». Überhaupt helfen sich die Spieler gegenseitig. Gerade bei Auswärtsspielen schleppen nicht immer die gleichen Getränkeflaschen oder anderweitiges Material. Das läuft in der Regel wie am Schnürchen. Vielleicht ist gerade dieser Umstand, dass Noel Tschanz eben der Team Benjamin ist, mitverantwortlich, wie sich der junge Berner im Team fühlt. «Das sind alles liebe Kerle, ich wurde sehr gut ins Team integriert». Diese Verbundenheit geht offenbar auch über den Betrieb des Eishockeys hinaus. «Wir waren auch schon gemeinsam im Ausgang oder zusammen essen», erklärt Noel Tschanz offen. Genau dieses Wir-Gefühl ist in einem Teamsport unabdingbar. Um eben beispielsweise gegen die starken Zürcher aus Dübendorf bestehen zu können.

«Das zählt mehr»
Gegen eben diesen EHC Dübendorf weist der EHC Brandis nämlich eine negative Bilanz auf. Gewann man das erste Spiel auswärts mit 1:0, gingen die beiden nächsten Spiele je 2:4 verloren. Für Noel Tschanz ist diese Bilanz im Moment nicht so wichtig, er sieht dies positiv: «Sicherlich ist es nicht schlecht, dass wir einmal gewonnen haben, aber wir hatten auch bei den Niederlagen, stets die Möglichkeit das Spiel zu gewinnen, das zählt mehr», erklärt der Youngster. Trotz der zwei Niederlagen gegen Dübendorf, waren das attraktive Spiele, dies sieht auch Noel Tschanz so: «Da die technisch und spielerisch gut drauf sind, entwickeln sich meist attraktive Spiele». Der Verteidiger zollt dem Gegner den nötigen Respekt: «Wir wissen, dass das einen gute Mannschaft ist, neben Sion sicher die Beste». Verteidiger Noel Tschanz freut sich auf dieses Spiel. Bei bisher zwei von drei Begegnungen war er dabei. Beim ersten Spiel der Saison gegen die Glatttaler musste er passen. Die operative Entfernung der Kieferverankerungen aus seinem Kieferbruch der letzten Saison, liessen einen Einsatz nicht zu. Noel Tschanz dürfte motiviert genug sein, sein Können unter Beweis zu stellen. «Ich spiele gerne gegen Zürcher Klubs, das war schon als Junior so». Wenn das kein Grund ist.

(pmu)