Vorschau EHCB - Adelboden

 

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Schütz hat gesehen, wo es hapert

Der EHC Brandis hat sich in der Erstliga-Eishockeymeisterschaft hinter dem souveränen Leader Thun auf dem zweiten Tabellenplatz etabliert. Doch der momentan verletzte Stürmer Renato Schütz hat im letzten Match von der Tribüne aus gesehen, wo es noch hapert: «Es sind viele kleine Fehler, die immer wieder passieren und uns daran hindern, während 60 Minuten konstant aufzutreten.»

Es geschah vor zehn Tagen im Spiel gegen Wiki. Renato Schütz zog sich am linken Ellbogen eine Verletzung zu (Haarriss), die ihn bis Weihnachten ausser Gefecht setzt. Dafür schlüpfte der 27-jährige Stürmer im letzten Spiel in die Rolle als Beobachter von der Tribüne aus. Der Blickwinkel hat dem Elektromonteur neue, überraschende Erkenntnisse über sich und sein Team geliefert. «Zuschauen zu müssen und nicht eingreifen zu können war äusserst nervenaufreibend, vor allem bei diesem Spielverlauf», erzählte er nach dem Spiel gegen Zuchwil, das die Emmentaler nach einer wahren Berg- und Talfahrt noch 7:5 gewannen.

Ein erstaunter Renato Schütz 

Dabei habe er Dinge gesehen, die man unten auf dem Eisfeld als Spieler nicht bemerke, gab er zu verstehen. «Man sieht das Spiel ganz anders und nimmt vieles wahr, was einem als Spieler entgeht.» So habe er zur Kenntnis genommen, dass sich immer wieder kleine, aber bedeutende Fehler ins Spiel seiner Mannschaft einschlichen. «Die Qualität vieler Erstliga-Klubs ist mittlerweile so gut, dass sie in der Lage sind, solche Fehler auszunutzen.» Das habe Zuchwil eindrücklich demonstriert. Für Schütz war der Anschauungsunterricht aus einer andern Perspektive sehr lehrreich («erstaunlich, was man da alles sieht»). Es habe ihn wahnsinnig gereizt, aufs Eis zu gehen, gibt er weiter zu verstehen. «Man möchte in dieser Situation gleich eingreifen Fehler korrigieren und gewisse Dinge anders machen», sagt er. Für den Oberburger Renato Schütz, der vor vier Jahren mit den Huttwiler Falcons Amateur-Schweizermeister wurde, sind es vor allem elementare Dinge, die man in den kommenden Spielen unbedingt verbessern müsse. «Es geht darum, die Scheibe unter Druck konsequent aus der Gefahrenzone zu befördern oder im gegnerischen Drittel, die Scheibe entschlossen aufs Tor zu bringen», betont er. Aber auch das Defensivverhalten des ganzen Teams müsse noch besser werden. Er weist darauf hin, dass Zuchwil fünf Tore erzielt habe, «was normalerweise reicht, um ein Spiel zu gewinnen.» Dass man die Partie nach einem 3:5-Rückstand noch gewonnen habe, spreche einerseits für die Moral der Brandis-Truppe, zeige andererseits aber auch, dass diese Equipe über grosses Offensivpotenzial verfüge.

Jeder muss noch etwas mehr investieren

«Aber wir dürfen dabei nicht unsere defensiven Aufgaben vergessen und dem Gegner zu viele Konterchancen offerieren», hat Schütz festgestellt. Für den verletzten Stürmer bietet sich die folgende Meisterschafts-Phase an, um einerseits weitere Korrekturen vorzunehmen und andererseits auch gewisse Risiken einzugehen. «Wir haben uns auf dem zweiten Platz etabliert und können nun zum Angriff auf Leader Thun starten.» Für Schütz heisst das nichts anderes, als sich bereits für die Masterround vorzubereiten. «Es muss unser Ziel sein, während 60 Minuten so zu spielen, wie wir uns das vorstellen.» Dafür müsse das Team noch etwas enger zusammenrücken, bemerkt er und weist darauf hin, dass jeder in der Equipe bereit sein müsse, in der folgenden Phase der Meisterschaft noch ein paar Extra-Prozente Leistung, Willen und Konzentration zu investieren. Damit wolle er aber nicht antönen, dass die Chemie in der Mannschaft nicht stimme, «im Gegenteil», sagt der Brandis-Stürmer, «wir verstehen uns sehr gut und der Teamgeist ist hervorragend.» Es gehe einfach darum, sich in Erinnerung zu rufen, welche Ziele man verfolge. «Jeder von uns spielt hier, weil er Erfolg haben will. Das ist eine persönliche Entscheidung, die aber nur realisiert werden kann, wenn wir alle für das Team einstehen», weiss Schütz was es braucht, damit man am Ende nicht mit leeren Händen dasteht …

 artext GmbH, Walter Ryser