Vorschau EHC Brandis - EHC Thun

Beutler Andreas

Spieler müssen hungrig bleiben

Für den EHC Brandis beginnt in einigen Tagen die Saison erst richtig. Der Emmentaler Eishockey-Erstligist wird als haushoher Favorit in die Playoffs starten. Aber noch sind vier Spiele in der Masterround zu absolvieren, weshalb Trainer Andreas Beutler sagt: «Es ist meine Aufgabe, dass die Spieler hungrig bleiben, Genügsamkeit darf nicht aufkommen, weil das in den Playoffs für uns fatale Folgen haben könnte.»

Andreas Beutler ist der glücklichste Eishockey-Trainer der Schweiz. Der 53-jährige Brandis-Coach lacht, als er mit dieser Aussage konfrontiert wird. «Ja, ich bin glücklich», bestätigt er. Aber es seien nicht bloss die bisherigen Resultate, die ihn zufriedenstellen würden, gibt er zu verstehen. «Es ist vor allem die Tatsache, dass ich über Spieler verfüge, die bereit sind, auch im Training alles zu geben, die man nicht ständig antreiben und auffordern muss.» So würden die Spieler auch im Training eine Winnermentalität leben. «Sie wollen immer gewinnen, auch die internen Spiele.» Diese Situation sei natürlich sehr angenehm, bemerkt Beutler, der auch die andere Seite kennt, wenn bloss der Trainer und der Präsident Ziele verfolgen, der Grossteil der Spieler aber nicht bereit ist, das Nötige dafür zu tun, um die Vorgaben zu erfüllen.

Gezielt arbeiten können 

Das ist beim aktuellen Brandis-Team zweifellos nicht der Fall und Beutler sieht darin noch einen weiteren Vorteil. «Unter diesen Voraussetzungen kann man viel gezielter arbeiten und mehr aus dem Team herausholen.» Auf diese Weise habe man sich die bisherigen Erfolge hart erarbeitet. Gleichzeitig weiss der langjährige NLA- und Nationalspieler aber auch, dass die momentane Dominanz seiner Truppe gewisse Gefahren birgt. «Es ist immer gefährlich, wenn man dann in den Playoffs auf einen Gegner trifft, der mit dem Erreichen der Playoffs bereits das Saisonziel erreicht hat und unbekümmert aufspielen kann.»

Für Beutler ist deshalb klar: «Es ist meine Aufgabe, dass die Spieler hungrig bleiben.» Man dürfe jetzt nicht plötzlich zufrieden sein, mit dem was man erreicht habe. Er wisse zwar auch, dass jede Erfolgsserie einmal zu Ende gehe, «aber wir wollen dieses Ende vorläufig noch nicht erleben.» Für ihn ist deshalb wichtig, dass seine Spieler die Masterround voller Konzentration und Engagement zu Ende spielen. Die Qualifikation sei für ein Spitzenteam ein wichtiger Prozess. Durch die lange andauernde Erfolgsserie habe man das Selbstvertrauen gefestigt. «Das sorgt dafür, dass plötzlich die eine oder andere Scheibe ins Tor geht, die zuvor neben dem Gehäuse landete.»

Freude am Spiel nicht verlieren 

Dieses starke Gefühl dürfe man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. «Es hilft dir nämlich in schwierigen Phasen während den Playoffs», weiss Beutler. «Hier kann man auch einmal nach zwei Dritteln 0:2 hinten liegen und aufgrund der vielen positiven Erlebnisse während der Qualifikation weiss man, dass man während einem Drittel drei Tore erzielen und das Spiel wenden kann.» Es ist das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, das man erlangt habe. Das sorge in den Playoffs oft für den entscheidenden Unterschied. Deshalb sei es wichtig, dass man die Qualifikation konsequent erfolgreich und nicht «so lala» beende.

Auch im Umgang mit Druck hat Beutler eine eigene Sichtweise. Es sei nicht wegzudiskutieren, dass Brandis gehörig unter Druck stehen werde, weil man sich hohe Ziele gesetzt habe. «Aber Erfolge lassen sich im Sport nicht aus der Komfortzone heraus bewerkstelligen, diese muss man verlassen, gerade in den Playoffs, und das ist mit Druck, viel Aufwand und Energie verbunden.» Wichtig sei deshalb, dass man in den Playoffs die Freude am Eishockeyspielen nicht verliere. «Das wir diese grosse Herausforderung annehmen und erleben dürfen, stellt doch für jeden Spieler ein schönes Erlebnis dar», möchte der Brandis-Trainer, dass seine Spieler den Saisonhöhepunkt nicht bloss hochkonzentriert, sondern auch mit Spass bestreiten.

artext GmbH, Walter Ryser