Bellinzona-Brandis 4:5 n V

Brandis Bellinzona2

GDT Bellinzona – EHC Brandis 4:5 nV (3:2, 1:1, 0:1, 0:1)

Die Entscheidung fiel erst nach Overtime durch Seematter

Von Päscu Müller

Durch einen verschlafenen Start bringt sich Brandis selber in die Bredouille, aus der sich das Team aber aufopfernd wieder heraus kämpft. Trotzdem gleicht die Spielweise einer Achterbahn. Jedenfalls reichten 60 Minuten zur Entscheidung nicht. Auch dies ist symptomatisch in diesem Spiel, ebenso dass Brandis schlussendlich doch als Sieger vom Eis geht.

Ursache war ein komplett verschlafener Start, mit 17 Schüssen seitens Bellinzonas gewährt Brandis den Tessiner schlicht zu viele Möglichkeiten. Eine tolle Aufholjagd – bis zur 21. Minute war das Spiel wieder ausgeglichen – wurde kurz vor der 2. Sirene wieder versemmelt. Doch auch da kämpfte sich Brandis zurück. Dass die Entscheidung erst in der Overtime fiel – auch der Sieg – ist irgendwie logisch. Hätte aber nicht sein müssen. „Wir haben den Start verschlafen, ebenso eine Phase im Mitteldrittel, da haben wir den Faden verloren“, analysiert Matthias Seematter, der Schütze zum Game-Winner in der Overtime. „Bellinzona spielt ein einfaches und gradliniges Eishockey, aber mit unseren spielerischen Mitteln müssen wir die wegputzen“, meint er weiter. Auf die Achterbahn angesprochen. wirkt auch Seematter etwas ratlos: “Wir müssen aus diesen Fehlern lernen, immer wieder. Schlussendlich müssen wir mit dem gewonnen zweiten Punkt zufrieden sein“. „Wir sind Amateursportler, das darf man nicht vergessen, vielleicht war die lange Anreise im Car nicht für jeden einfach“, versucht er zu erklären. Carfahrt hin oder her, nicht jedes Team würde einen solchen Spielverlauf einfach so wegstecken. Der EHC Brandis entscheidet auch dieses schwierige Spiel zu seinen Gunsten. Das spricht nicht nur für die spielerische Substanz, die in diesem Team steckt, sondern auch von einer hohen Moral.

Start komplett verschlafen

Wie im ersten Spiel der Saison gegen denselben Gegner, nur in Hasle statt im Tessin, verschläft Brandis den Start komplett. Nach knapp sieben Minuten liegen die Nordtessiner durch Tore von Isabella und Schnüriger mit 2:0 in Front. Beim ersten Gegentreffer wurde Torhüter Gasser durch einen abgelenkten Schuss düpiert und beim 2:0 räumten seine Vorderleute im eigenen Slot zu wenig konsequent auf. Headcoach Andreas Beutler gefiel die Arbeit seines Teams überhaupt nicht, er rief die Truppe bereits zu einem Time-out. Im anschliessenden Powerplay lief die Scheibe einmal mehr gefällig, aber ausser zwei Weitschüssen von Oberli und Schaad aus dem Hinterhalt, resultierte nichts. Brandis versuchte zwar das Spiel in die Hand zu nehmen, konsequent gefahrene Angriff waren aber Mangelware. Mit dem nächsten Angriff von Bellinzona, klingelte es bereits wieder. Bianchi traf zum 3:0. Knapp 3 Minuten vor der ersten Sirene traf endlich auch Brandis. Marco Blaser verwertet ein Zuspiel von Yanick Kohler zum 3:1. In den letzten 73 Sekunden bot sich den Emmentaler die Chance zur Resultat-Kosmetik, sie durften in Überzahl agieren. Anders als im ersten Powerplay klappte diesmal auch das Toreschiessen: Schaad's Schuss ab der blauen Linie war nicht sonderlich stark, fand den Weg ins Tor trotzdem. Mit diesem wichtigen Anschlusstor war der EHC Brandis wieder im Spiel.

Zurück im Spiel und doch wieder im Rückstand – Siegtreffer in Overtime

Nach nur knapp zwei Minuten im Mitteldrittel war Brandis definitiv wieder im Spiel. Durch das 3:3 von Florian Dähler gleichen die Emmentaler den eingehandelten 3-Torerückstand ab der 16. Minute wieder aus. Trotzdem spielte Brandis nicht das konsequente Spiel, dass sie zu spielen im Stande sind. Sowohl defensiv wie offensiv schlichen sich zu viele Unzulänglichkeiten ein. Gearbeitet wurde trotzdem mit Leidenschaft. Auf dem letzten Meter fehlte es aber am nötigem Abschlussglück. Gegen Ende des Drittels flachte die Partie spielerisch zunehmend ab. Brenzlige Torszenen wurden seltener. Beide Teams konzentrierten sich offenbar auf einfaches und sauberes Spiel ohne etwas anbrennen zu lassen. Defensive Arbeit war in den letzten Minuten dieses Drittels gefragt – Blaser sass in der Kühlbox – die Box von Brandis wusste sich aber trotz heftigem Anstürmen der Tessiner zu wehren. Bei wieder 5 gegen 5 Feldspieler blieb Bellinzona am Drücker, Brandis hatte Mühe sich zu befreien. Vier Sekunden vor der Pause erliegt der EHC Brandis diesem Druck, Bellinzona gelingt die Führung zum 4:3. Bei diesem Tor reiht sich Fehler an Fehler. Nägeli glich aber diese Führung Bellinzonas abermals aus. Gespielt waren im Schlussdrittel keine fünf Minuten. Heikel dann die Phase acht Minuten vor Schluss. Bellinzona agierte mit 4 gegen 3 in Überzahl, das 4:4 blieb aber bestehen. In den letzten fünf Minuten spielt Brandis endlich das gewohnte druckvolle Eishockey. Ebenso in den fünf Minuten der Overtime. Dies wurde 43 Sekunden vor Schluss mit dem Siegtreffer durch Verteidiger Seematter belohnt. (pmu)

Telegramm: GDT Bellinzona – EHC Brandis 4:5 nV (3:2, 1:1, 0:1, 0:1)

Centro Sportivo, Bellinzona. – 134 Zuschauer – Schiedsrichter: Bohus; Fankhauser / Moser

Torfolge:
4.Isabella ( Gianinazzi) 1:0, 7. Schnüriger (Gianinazzi) 2:0, 16. Bianchi (Albisetti) 3:0, 18. Blaser (Kohler) 3:1, 20. Schaad (Dähler) 3:2 (PP), 21. Dähler (Buri) 3:3, 40. Schnüriger (Gianinazzi) 4:3, 45. Nägeli (Steiner) 4:4, 65. Seematter 4:5

Strafen:
Bellinzona 3-mal 2 Minuten ; Brandis 4-mal 2 Minuten

Bellinzona:
Calanca; S. Guidotti, Scheidegger; Mengoni, End; Gianinazzi, Rochat;
Schena, Juri, Balerna; Pinana, Isabella, Schmid; Albisetti, Bianchi, F.Guidotti; Masa, Schnüriger, Gianella,Camarda.

Brandis:
Gasser; Seematter, Oberli; Prinz, Schaad; Mosimann, Malicek; Liechti;
Nägeli, Holzer, Steiner Adrian; Dähler, Buri, Patrick Meyer; Gurtner, Blaser, Kohler;Marco Meyer, Renato Schütz ,Sven Inniger.

Bemerkungen:
Brandis ohne Rüfenacht (rekonvaleszent), Markus Schütz, Hain, Reinhard (verletzt)
Bellinzona ohne Masa