SCUI - Brandis 4:3 n.P.

Trainer1

SC Unterseen-Interlaken – EHC Brandis 4:3 nP (1:2, 1:0, 1:1)

Überhebliches Brandis lässt gegen nie aufgebendes Unterseen-Interlaken 2 Punkte liegen

Von Päscu Müller

Brandis trat im Oberland gegen den SCUI nicht wie ein Leader auf. Die Leistung kann gar als überheblich bezeichnet werden. Die 2:0-Führung nach 20 Minuten wirkte wie Gift und verstärkte die „Schönwetter“-Spielweise. Diesmal ging das ins Auge. Kämpferisch haben sich die Oberländer den Zusatzpunkt verdient.

Es war nicht der Auftritt des EHC Brandis. Die schnelle Führung wirkte sich wahrscheinlich negativ aus und vermittelte dem Team eine trügerische Sicherheit. Ohne Biss und Kampfbereitschaft ist selbst gegen ein spielerisch eher bescheidenes Unterseen-Interlaken kein Blumentopf zu gewinnen. Ziemlich sauer war nach dem Spiel Brandis-Sportchef Christian Baumgartner: „Es kann nicht sein, das wir so auftreten, ohne jeglichen Biss. Für mich ist diese Leistung inakzeptabel“, gibt er zu Protokoll. „Da werden Gespräche nötig sein“, wird er deutlich. In der Tat kann man mit der Leistung des Leaders nicht zufrieden sein. Zu sehr mahnte die Spielweise an „Schönwetter-Eishockey“. Brandis trat zu überheblich auf, in der Meinung die Tore purzeln schon irgend wie noch rein. An der kämpferischen Leistung der Oberländer hätten sich die Emmentaler ein Beispiel nehmen müssen. Niederlage gehören zum Sport, wichtig wird sein, welche Lehren Brandis aus diesem Auftritt zieht.

Brandis startet abgeklärt und lässt dann nach

Kein hochstehendes Spiel bekamen die 316 Zuschauer zu Beginn vorgesetzt, jedoch ein vorerst souveränes Brandis. Nicht selbstverständlich, wenn die Begegnung aus der letzten Saison in Interlaken als Vergleich beigezogen wird. Damals verloren die Emmentaler das Spiel mit 4:5. Ganz anders die erste Begegnung dieser Spielzeit, Brandis fertigte den SCUI gleich mit 8:1 ab. Auch diesmal gelang der Start nach Mass. In der 4. Minute führt eine schöne Kombination, ausgelöst von Steiner, der zu Nägeli hinter dem Tor passt. Nägeli bedient Buri im Slot, der keine Mühe hat und zum 0:1 trifft. Nicht minder weniger schön die Kombination in doppelter Überzahl nach 13 Minuten: Brandis spielte die drei verbleibenden Spieler der Oberländer beinahe schwindlig, Blaser im Slot bedient den etwas weiter links postierten Patrick Meyer. Meyer lupft die Scheibe gekonnt über Keeper Seiler zum 0:2. In der Schlussphase des ersten Drittels verliert Brandis etwas die Linie, spielt nicht mehr konsequent genug. Diese Unachtsamkeit nutzen die Oberländer prompt zum 1:2-Anschlusstor. Knapp zwei Minuten vor der Sirene, verhindert Kaufmann gar mit einem Big-Save Schlimmeres. Die sollte eigentlich für den Leader Warnschuss genug gewesen sein. War es aber nicht.

Kein Biss – kein Engagement

Regelrecht dahin plätscherte der Mittelabschnitt. Selbst in Überzahl seitens von Brandis, waren kaum nennenswerte Chancen zu sehen. Dies rächte sich nach 27 Minuten: Mit dem zweiten Schuss aufs Tor der Emmentaler gleicht Marc Nägeli für Unterseen die Partie zum 2:2 aus. Erst ab Spielmitte versucht Brandis wieder mehr Druck zu erzeugen. Vielfach ist es beim Versuch geblieben. Die Oberländer wehren sich mit ihren – meist bescheidenen Mitteln – doch recht vehement. Dass der SCUI offensiv kaum mehr in Erscheinung trat, belegt die Statistik: 19 zu 3 Torschüsse sind etwas gar mager. Optisch zwar überlegen, doch zwingende Chancen seitens von Brandis waren das kaum. Dazu fehlte der letzte Biss, die nötige Konsequenz im Abschluss. Brandis-Sportchef Christain Baumgartner war mit dem zweiten Drittel gar nicht zufrieden: „Jeder spielt da etwas für sich, das kann es nicht sein“, meint er. „Zudem stimmt die Körpersprache nicht, die spielen ohne Spannung, das waren mehrheitlich Alibi-Schüsse ohne Biss“. Das letzte Drittel schien im gleichen Trott weiter zu gehen. Bei einer unnötige Strafe gegen Brandis, entwischte plötzlich Buri und markiert eiskalt das 3:2 für die Emmentaler. Unterseen-Interlaken hatte kurz darauf die Chance mit zwei Mann mehr zu agieren, sie verpassten aber den Ausgleich in doppelter und einfacher Überzahl. Auch diesen Warnschuss wollte der EHC Brandis nicht bemerken. Mit zunehmender Spieldauer wurden die Oberländer kecker. Bereits 2:50 vor dem Ende setzte SCUI-Coach Philippe Kunz alles auf eine Karte und ersetzte Keeper Seiler durch einen sechsten Feldspieler. Dieses Risiko wurden mit dem 3:3 durch Bracher belohnt. Trotz einer weiteren Überzahl durch Brandis war die Partie nach 60 Minuten nicht entscheiden. Auch durch die weiterlaufende Überzahl in der Overtime, brachte Brandis die Entscheidung nicht zu Stande. Umgekehrte Vorzeichen in der letzten Spielminute der Verlängerung. Diesmal spielte Unterseen-Interlaken in Überzahl, ohne eine Entscheidung herbei führen zu können. Den Zusatzpunkt sicherten sich die Oberländer im abschliessende Penaltyschiessen verdient. (pmu)

Telegramm: SC Unterseen-Interlaken – EHC Brandis 4:3 nP (1:2, 1:0, 1:1)

ESZ Bödeli, Matten b.Interlaken. – 316 Zuschauer – Schiedsrichter: Wittwer, Dumauthioz/Gäumann

Torfolge:
4. Buri (Nägeli, Steiner) 0:1, 13. Patrick Meyer (Blaser, Buri), 0:2 (2PP), 18. Sven Kohler (Lengacher) 1:2, 27. Marc Nägeli (Baur, Schneider) 2:2, 42. Buri 2:3 (SH), 58. Bracher (Baur, Lengacher) 3:3

Strafen:
SCUI 7-mal 2 Minuten ; Brandis 6-mal 2 Minuten

SCUI:
Seiler; Bieri, Streit; Bracher, Fuchser; Segessemann, Lüthi; Brügger; Swen Kohler Lengacher; Schneider, Baur, Marc Nägeli; Sutter, Eymann, Rosser; Uhlmann, Bieri, Meyes.

Brandis:
Kaufmann; Oberli, Renato Schütz; Mosimann, Malicek; Liechti, Prinz; Nägeli, Holzer, Steiner; Dähler, Buri, Gurtner; Yanick Kohler, Blaser, Patrick Meyer; Marco Meyer, Inniger.

Bemerkungen:
Brandis: Rüfenacht (rekonvaleszent), Schaad, Hain, Reinhard, Markus Schütz (alle verletzt), Seematter (krank)
Unterseen-Interlaken: Nydegger, Fankhauser