Neuchâtel-Brandis 6:4

Schlapbach Action 600

Remo Schlapbach, Torschütze zum 2:3 im Powerplay (Foto: Archiv, Marcel Bieri)

HC Université Neuchâtel – EHC Brandis 6:4 (1:2, 1:1, 4:1)

Brandis-Blamage gegen Schlusslicht Neuchâtel

Von Päscu Müller

Der EHC Brandis liess sich eine 4:2-Führung in den letzten acht Minuten noch wegnehmen und taucht unerwartet gegen das Schlusslicht aus Neuchâtel mit 4:6. Zu viele individuelle Fehler und fehlende Leidenschaft sind die Hauptgründe für diese Niederlage. Es war das schlechteste Spiel der Emmentaler in der neuen Liga.

Das Score in dieser Partie wurde mit einem Shorthander eröffnet. Dieser Umstand passt irgendwie zum ganzen Spiel, welches nicht wirklich von den Sitzen riss. Viele zusammenhanglose Aktionen, viele kleine Strafen durch Unzulänglichkeiten, liessen kaum einen regen Spielfluss zu. Nach einer 4:2-Führung liessen sich die Emmentaler durch eine richtig schwache Vorstellung in den letzten acht Minuten, die drei Punkte tatsächlich noch wegnehmen. «Wir haben dieses Spiel leichtsinnig aus den Händen gegeben», meinte auch Assistenz-Trainer Daniel Bieri. «Unser Ziel in dieser Saison nach einem Vorsprung dem Gegner keinen Grund mehr zu geben, wieder ins Spiel zu gelangen, ist uns durch individuelle Fehler komplett misslungen», sagte Bieri niedergeschlagen. «Jeder Spieler muss jetzt wieder an seine Stärken glauben und dies umsetzen können», blickt der Brandis-Coach bereits voraus. Dass Brandis Stärken hat ist unbestritten, schliesslich reisten die Emmentaler als Leader an den Neuenburger-See. Der Auftritt heute ging aber richtig in die Hosen und muss als schlechtestes Saison-Spiel taxiert werden. «Es muss wieder Klick machen, auch punkto Leidenschaft», sagt Daniel Bieri abschliessend. Genau diese Leidenschaft hat den EHC Brandis in der Mehrheit der bisherigen Spiele auch ausgezeichnet. Davon war heute nichts zu sehen.

Turbulente Startphase mit fünf Strafen und drei Toren
Bereits nach dreizehn Sekunden fasste Brandis die erste Strafe – es sollte nicht die einzige bleiben – und dabei fielen zwei Tore. Zuerst entwischte Marco Meyer und markierte eiskalt das 0:1. Nach diesem Special Game reüssierten die Neuenburger dennoch: Es war Berthoud, der den Ausgleich wiederherstellte. In den ersten zehn Minuten dieses Startdrittels, sassen drei Emmentaler und Tuffet mit zwei plus zwei Minuten in der Kühlbox. Tuffet sollte in diesem Spiel noch eine wesentliche Rolle spielen. Zwischenzeitlich markierte dann Topscorer Joel Scheidegger – bei fünf gegen fünf notabene – das 2:1 für den EHC Brandis. Man kann also durchaus von einer turbulenten, zwischenzeitlich gar hektischen Startphase in dieses Spiel sprechen. Erst ab Minute zwölf dieses Drittels, wurde dann mit fünf gegen fünf Feldspieler Eishockey gespielt. Dies aber auch nur für eine kurze Zeit, da sich vier Minuten vor der ersten Sirene, der nächste Neuenburger in die Kühlbox verabschieden musste. Alle Powerplays der Emmentaler waren nicht wirklich zwingend um nicht zu sagen, sie waren gar schwach. Trotz dieser Strafen, war das Spiel keineswegs gehässig. Es waren eher kleine Unkonzentriertheiten, die zu diesen Ausschlüssen führten. Bei also Total sechs kleinen Strafen, wurde, ausser dem Shorthander durch Marco Meyer, kein Treffer erzielt. Diese Tatsache spricht auch Bände.

Desolates Brandis in den letzten acht Minuten
Der Ausgleich der Neuenburger nach drei Minuten im Mitteldrittel, fiel äusserst unglücklich. Lukas Gasser lag auf dem Rücken, glaubte die Scheibe unter seinem Körper, diese lag aber davor, ohne dass sie von einem Emmentaler weggehauen wurde. Laspina drückte den Puck mühelos ins Netz. Nächste Chance dieses Malheur auszumerzen, hatte Brandis kurz danach im nächsten Powerplay. Der Start dazu war inferior, die defensive Arbeit unzulänglich und nur dem Unvermögen der Neuenburger ist es zu verdanken, dass Brandis keinen Shorthander kassierte. Der Neuenburger traf tatsächlich die leere Kiste aus zwei Metern Entfernung nicht. Von Erfolg gekrönt war dieses Powerplay dennoch: Remo Schlapbach verwertete ein Zuspiel von Joel Scheidegger und Florian Lüthi, aus spitzem Winkel zur erneuten Emmentaler Führung.
Eine vermeintliche Vorentscheidung dieses Spiels dann in der 44. Minute, Thimothé Tuffet scheiterte mit einem Penalty an Lukas Gasser.  Anstatt jetzt mit Vehemenz die definitive Entscheidung zu suchen, liess der EHC Brandis das Spiel weiter dahinplätschern. Mit dem 4:2 durch Sandro Hain vergrösserte sich zwar der Vorsprung der Emmentaler auf zwei Tore, besser wurde das Spiel aber nicht. Im Gegenteil: Den Neuenburgern wurde sieben Minuten vor der Sirene, durch eine desolate Spielweise und individuellen Fehlern, der Anschlusstreffer gewährt und eine Minute später – in Unterzahl – gar der Ausgleich zum 4:4. Das war aber noch lange nicht alles. Die Neuenburger witterten jetzt richtig Morgenluft, der EHC Brandis immer noch im Tiefschlaf. Kaum zu glauben, dass das Tabellen-Schlusslicht aus Neuenburg gar mit 5:4 in Führung gehen konnte und mit einem empty Netter in der letzten Minute den Sack zum 6:4 gar zu machten. Fahrlässiger und Nonchalance kann man drei sicher geglaubte Punkte kaum aus den Händen geben. Es ist zu hoffen, dass dies ein Warnschuss vor den Bug ist.  

(pmu)

Telegramm: HC Université Neuchâtel – EHC Brandis 6:4 (1:2, 1:1, 4:1)
Patinoires du Littoral, Neuchâtel NE. – 107 Zuschauer – Schiedsrichter: Rohrer; Stalder/ Humair
Torfolge: 2. M.Meyer (Steiner) 0:1 (SH), 3. Berthoud (Girardin) 1:1 (PP), 6. Scheidegger 1:2, 24. Laspina 2:2, 27. Schlapbach (Lüthi, Scheidegger) 2:3 (PP), 48. Hain (Blaser, L.Gasser) 2:4, 53. Valenza (Tuffet, Hunziker) 3:4, 55. Tuffet (Berthoud) 4:4 (PP), 56. Tuffet (Valenza, Bongard) 5:4, 60. Tuffet (Hunziker) 6:4 (EN, SH).
Strafen: Neuchâtel 5-mal 2 Min   ;    Brandis 10-mal 2 Minuten
Neuchâtel: Aeberhard; Cordey, Girardin; Karvonen; Tuffet, Zinsli, Laspina; Valenza, Wunderlin, Berthoud, Rebete, Laurila, Kohler, Hunziker, Marion, Bongard, Rundquist.
Brandis: L.Gasser; Scheidegger, Mosimann; M.Gasser, M.Schütz; Schaad, Tschanz; Oberli, Seematter; Nägeli, Lüthi, Schlapbach; M.Meyer, R.Schütz, Steiner; Holzer, Hain, Blaser; Gurtner, Liechti.
Bemerkungen:
Neuchâtel keine Angabe
Brandis ohne Buri, Messerli, P..Meyer, Wischti (alle verletzt), Ersatztorhüter: R.Mischler

 Interview mit Assistenz-Trainer Daniel Bieri nach der Niederlage gegen Uni Neuchâtel