Brandis - Seewen 2:3 nV

PMeyer Gurtner

EHC Brandis – EHC Seewen 2:3 nV (2:1, 0:0, 0:1)

Viel Frust bei Brandis

Von Päscu Müller

Hatte Brandis das Spiel im ersten Drittel im Griff, war es zunehmend der EHC Seewen, welcher das Spieldiktat übernahmen. Die Emmentaler hätten genügend Möglichkeiten gehabt, den Sieg herbeizuführen. Wie sie aber um einen allfälligen Zusatzpunkt betrogen werden, ist zumindest fragwürdig. Übrig bleibt viel Frust.

Wenn sich die gegnerischen Spieler bei Brandis mit einem «Sorry» verabschieden, muss etwas Gravierendes vorgefallen sein. Ist es in der Tat. Der Treffer der Innerschweizer in der Verlängerung war nämlich keiner. Er landete am Pfosten. Zum Verdutzen der meisten Anwesenden, entscheidet der Schiedsrichter aber auf Tor und somit Sieg für Seewen. Matthias Seematter – Torschütze zum 1:0 – will die Szene nicht gross kommentieren: «Ich habe das nicht gesehen, keine Ahnung ob der drin war», gibt er ehrlich Auskunft. Seematter will auch nicht lange auf dieser Entscheidung herumreiten. «Wir haben diesen Match selber aus der Hand gegeben. Den müssen wir nach sechzig Minuten gewinnen». Führte Brandis nach dem 1. Drittel noch mit 2:1, gaben sie zunehmend das Spieldiktat aus der Hand. Selbst da wären Chancen zum 3:1 vorhanden gewesen, die aber allesamt ungenutzt blieben. «Wir bringen einfach dieses 3:1 nicht zustande, da müssen wir uns an der eigenen Nase nehmen», meinte Seematter kritisch. Nicht so Seewen, die gleichen nämlich die Partie durch Doppeltorschütze Nicolas Koller aus und werden in der Verlängerung mit einem Treffer, der keiner war, beschenkt. Es ist nicht die Niederlage an und für sich, die viel Frust hinterlässt. Es ist die Art und Weise. Einerseits das eigene Unvermögen den Sack zu zumachen, andererseits ein Schiedsrichter mit einem matchentscheidenden Fehlentscheid.

Effizientes erstes Powerplay
Gleich zum Start ein flotter Beginn des EHC Brandis, die versuchten Seewen den Tarif durchzugeben. Nach vier Minuten streichelte Matthias Seematters Schuss erst den Aussenpfosten, die Scheibe gelangt via Patric Buri wieder zum Verteidiger an der blauen Linie. Seematter schlenzte aufs Tor und Brandis führte mit 1:0. Weitere vier Minuten später ein toller Angriff von Renato Schütz auf Janick Holzer, dieser aber verpasst den Torerfolg nur knapp. Von den Innerschweizern war bis anhin kaum etwas zu sehen. Bis zur achten Minute, da nämlich, durfte sich Seewens Koller zweimal versuchen. Erst scheiterte er an Lukas Gasser, beim zweiten Versuch gleicht er für Seewen zum 1:1 aus. Gestört hat ihn nicht wirklich einer. Wieder ein Brandis-Gegentreffer für die Kategorie unnötig. Drei Minuten später, Powerplay der Emmentaler: Dieses war für einmal nicht nur effizient, sondern der Torerfolg auch sauschnell. Nur gerade sechzehn Sekunden benötigte Patrick Meyer um seine Farben wieder in Front zu schiessen. Nach dem Game-Winner im Powerplay am letzten Mittwoch in Bülach, scheint da Brandis einen Schritt nach vorne zu machen. Auch das zweite Überzahlspiel der Emmentaler lief zügig und brachte vor allem Abschlüsse, von denen leider keiner erfolgreich war. Zwei Minuten vor der ersten Pause, zauberte Lukas Gasser. Mit allem was ihn auszeichnet, verhinderte er einen Gegentreffer. Es war in diesem Drittel der beste Angriff der Innerschweizer.

Umstrittene Entscheidung in der Verlängerung
Gehörte das Spieldiktat im ersten Drittel eindeutig Brandis, drehte dies zu Beginn des Mitteldrittels. Es war jetzt Seewen, das dem Spiel den Stempel aufzudrücken versuchte. Immer wieder traten die Innerschweizer in der defensiven Zone der Emmentaler auf. Erst nach knapp sechs Minuten, prüfte Markus Schütz Seewens Keeper Muff zum ersten Mal in diesem Abschnitt. Wieder ins Spiel zu finden, bot sich Brandis in Überzahl. Auch da – wie in den ersten beiden Powerplays – lief die Scheibe flüssig, mit vielen Abschlüssen. Ein Treffer aber wollte nicht gelingen. Kaum wieder fünf gegen fünf, drückt erneut der EHC Seewen. Zweimal kurz hintereinander scheitern sie nur knapp. Sechs Minuten vor der zweiten Sirene, die Emmentaler für dreissig Sekunden in doppelter Unterzahl. Diese wurde überstanden, ebenfalls die gesamte Strafzeit. Seewen blieb die bessere Mannschaft und erhält bei der nächsten Brandis-Strafe die Möglichkeit zum Ausgleich. Es brannte teilweise lichterloh im und um den Slot der Emmentaler, ohne dass Seewen reüssierte.
Das optische Bild änderte sich im Schlussabschnitt kaum, Seewen suchte den Ausgleich mit Vehemenz. Etwas Luft dann im Powerplay ab der 45. Minute. Erneut wurde der Puck flüssig gespielt, Abschlüsse gesucht, ohne dass die Scheibe den Weg ins Netz fand. Was Brandis nicht gelingen wollte, gelang zum zweiten Mal an diesem Abend Nicolas Koller. Er markierte seinen zweiten Treffer und glich zum 2:2 aus. Das Spiel wog nun auf und ab, beide Teams suchten die Entscheidung. In den letzten fünf Minuten, hatte Brandis wieder etwas mehr vom Spiel, verpasste die eine oder andere Torchance. Die beste, fünf Sekunden vor der regulären Spielzeit Patric Buri, nach Zuspiel Adrian Steiners. Die Entscheidung in der Verlängerung war dann sehr umstritten: Der Puck landete am Pfosten, doch der Schiedsrichter entschied, zum Entsetzen der einen und Belustigung der anderen, auf Tor.

(pmu)

Telegramm: EHC Brandis – EHC Seewen 2:3 nV (2:1, 0:0, 0:1)
Sportbetriebe Brünnli, Hasle BE. – 146 Zuschauer – Schiedsrichter: Fausel; Zimmermann/ Baumgartner
Torfolge: 4. Seematter (Buri) 1:0, 8. Koller (Portmann) 1:1, 11. P.Meyer (Nägeli, Scheidegger) 2:1 (PP), 49. Koller 2:2, 63. Scheiber 2:3
Strafen: Brandis 5-mal 2 Min   ;    Seewen 4-mal 2 Minuten
Brandis: L.Gasser; Scheidegger, Oberli; Seematter, Mosimann; Schaad, Liechti; M.Schütz, M.Gasser; Nägeli, Lüthi, A.Steiner; R.Schütz, Holzer, Buri; Gurtner, Hain, Blaser; Messerli, Schlapbach, P.Meyer.
Seewen: Muff; R.Büeler, Schnüriger; Holdener, T.Büeler; End, Scheiber; Lanz; Schmidig, Arnold, Zurkirchen; Fries, Portmann, Wellinger; Schön, Christen, Koller; S.Steiner, Bettinaglio, Maurenbrecher.

Bemerkungen:
Brandis ohne M.Meyer, Witschi (beide verletzt), Tschanz (rekonvaleszent)
Seewen ohne Djodjevic, Marzan, Gisler.

Interview Matthias Seematter zur 2:3 Niederlage gegen Seewen