Bülach - Brandis 6:5 nP

MSchütz 600

EHC Bülach – EHC Brandis 6:5 nP (2:0, 2:4, 1:1)   

Aufholjagd bringt wenigstens einen Punkt

Von Päscu Müller

Es war ein verrücktes Spiel in Bülach. Lag der EHC Brandis bei Spielmitte mit 0:4 zurück, gleichen die Emmentaler zum 4:4 aus, geraten kurz vor Schluss erneut in Rückstand und kämpfen sich in die Verlängerung. Diese bringt trotz Chancen keine Entscheidung. Im Penalty-Schiessen zieht der EHC Brandis den Kürzeren.

Nach Spielmitte und 0:4 Rückstand hätte wohl keiner mehr auf den EHC Brandis gewettet. Doch die Emmentaler kämpfen sich ins Spiel zurück. Selbst das 4:5 durch Bülachs Captain Aurelio Lemm hundert Sekunden vor der Sirene, beantwortete Patric Buri keine dreissig Sekunden später mit dem erneuten Ausgleich. In der Verlängerung war Brandis zwar besser, konnte den entscheidenden Nadelstich aber nicht setzen. Diesen setzte Bülach mit dem Sieg im Penalty-Schiessen. Doppeltorschütze Markus Schütz sprach dann auch von einer bitteren Niederlage: «Wenn du ein 0:4 aufholst, dich selbst beim 4:5 kurz vor Schluss nicht geschlagen gibt’s, dann gleichwohl verlierst, ist das bitter». Dass man aber überhaupt wieder ins Spiel gefunden hat, spricht für die Moral im Team. Es waren auch die Worte im Time-Out, die das Team wachgerüttelt hat. «Offenbar haben diese Worte etwas genützt», meinte auch Schütz. «Wir wussten ja was wir können und haben uns gesagt jetzt gehen wir noch einmal». Diese Aufholjagd wurde schlussendlich mit einem Punkt vergütet. Es gibt zwei Möglichkeiten dieses Spiel zu interpretieren: Einerseits hat sich Brandis mit einer zu laschen Spielweise selber in diesen 0:4 Rückstand manövriert, muss sich ergo an der eigenen Nase nehmen. Andererseits kämpften sie sich bemerkenswert ins Spiel zurück und gewinnen wenigstens einen Punkt, verlieren aber auch zwei. Ärgerlich ist es – was auch immer – trotzdem.

Kaltblütiges Bülach, lasches Brandis
Keine halbe Minute brauchte Brandis, um den ersten Schuss in diesem Spiel abzufeuern. Eine Zeigerumdrehung später, prüft Patric Buri den Keeper Bülachs bereits zum zweiten Mal. Nicht dass die Zürcher Unterländer offensiv nicht in Erscheinung traten, keines Falls, aber die Emmentaler blockten vorerst alles ab. Den ersten Schuss hatte Lukas Gasser nach vier Minuten zu entschärfen. Doch richtig brenzlige Torszenen waren in der ersten Hälfte dieses Drittels nicht zu sehen. Zu sehr schirmten die Verteidiger jeweils ihren Torhüter ab. Kam für einmal ein Schütze durch – beispielsweise Sandro Hain – verzog er knapp neben das Gehäuse. In der 11. Minute dann für einmal eine Szene im Slot, doch Remo Schlapbach verpasste ebenfalls knapp. Nichts mehr mit knapp verfehlen in der 13. Minute, Pozzorinis Schuss passte haargenau. Bülach führte somit mit 1:0. Brandis zwar bemüht an diesem Spielstand etwas zu ändern, doch entweder war das zu verspielt, zu unpräzise oder Bülach stand hinten sauber. Nicht nur das, die Zürcher zeigten sich auch äusserst effizient, denn zwei Minuten vor der Sirene erhöhen sie durch Schaufelberger auf 2:0. Bülach nutzte die Chancen, die sie sich in diesem Drittel erspielten, eiskalt aus. Aus Sicht der Emmentaler hätte man sich einen stärkeren Zwick an der eigenen Geissel gewünscht.

Plötzlich wurde der Schalter gefunden
Dieser Zwick fehlte dann auch beim Start ins Mitteldrittel, die Effizienz der Bülacher blieb. Keine dreissig Sekunden waren auf der Matchuhr runtergezählt, da lag Bülach mit 3:0 in Front. Diesmal traf Nico Boner, Robin Ganz spielte zum zweiten Mal den entscheidenden Pass. Die doch eher zahme Spielweise des EHC Brandis ging weiter, dazu patzte noch Lukas Gasser – er liess einen doch eher harmlosen Schuss zum 4:0 passieren. Den Treffer alleine dem Torhüter zu zuschreiben, wäre der Sache nicht gerecht. Zuvor verpassten etliche Akteure den durchbrechenden Schaufelberger zu stoppen. Etwas Zuversicht dann im ersten Powerplay der Emmentaler, die brauchten nur zwölf Sekunden um die Scheibe ins Netz zu befördern. Nach einem Schuss Patrick Meyers ab der blauen Linie, versenkte Florian Lüthi zum 1:4. Nur Sekunden später eine erstklassige Emmentaler Möglichkeit, die versiebt wurde. War das der Weckruf? Ja und wie, jedoch ohne Happy-End. Die Emmentaler drückten jetzt vermehrt aufs Gaspedal, kreierten Chancen und erzielten gar das 2:4 durch Markus Schütz, rennen aber durch die eher lasche Spielweise der dreissig Minuten zuvor, immer noch einem Rückstand hinterher. Dieser Rückstand wurde drei Minuten vor der zweiten Pause reduziert, erneut traf Florian Lüthi, diesmal zum Anschlusstreffer 3:4. Diese Treffer der Emmentaler fielen binnen sieben Minuten. Es kommt noch besser: Vor der Pause gleicht Brandis die Partie gar aus, abermals war es Verteidiger Markus Schütz, der zum 4:4 traf. Unglaublich, wenn man die erste Hälfte dieses Spiels zu Rate zieht. Waren die Emmentaler da noch lasch, sind sie plötzlich bissig und wach. Irgendwie hat da der EHC Brandis plötzlich den Schalter gefunden. Ein verloren geglaubtes Spiel ist plötzlich wieder völlig offen.
Das auf und ab im letzten Drittel war kaum auszuhalten. Für Brandis verpasste beispielsweise erst Patric Buri, dann Manuel Schaad. Kurz darauf feuerte Joel Scheidegger ein Geschoss ab, schlenzte Florian Lüthi aufs Bülacher Tor. Acht Minuten vor Spielende dann Überzahl der Emmentaler und dieses Powerplay war richtig gut. Was fehlte war einzig der Torerfolg. Im letzten Drittel spielte praktisch nur noch der EHC Brandis in der Offensive, umso bitterer, dass die Emmentaler bei einem seltenen Konter Bülachs, den fünften Treffer hinnehmen mussten. Doch auch da: Nur Sekunden nach dieser erneuten Bülacher Führung gleicht Brandis dieses Spiel wieder aus. Patric Buri braucht für das 5:5 keine dreissig Sekunden. War schon das Schlussdrittel kaum auszuhalten, war die Verlängerung definitiv nichts für schwache Nerven. Beide Teams hatten diverse Möglichkeiten zur Entscheidung, Brandis stand dem Sieg sogar näher, konnte ihn aber nicht realisieren. Die Entscheidung fiel erst im Penalty-Schiessen zu Gunsten des EHC Bülach. Trotz – oder gerade wegen – dieser bitteren Niederlage gibt es festzuhalten, dass der EHC Brandis in vier Spielen der Qualifikation gegen Bülach, zehn von zwölf möglichen Punkten erspielte.  

(pmu)

Telegramm: EHC Bülach – EHC Brandis 6:5 nP (2:0, 2:4, 1:1)
Sportzentrum Hirselen, Bülach ZH. – 270 Zuschauer – Schiedsrichter: Rüegg; Nater/ Hollenstein
Torfolge: 13. Pozzorini (Ganz) 1:0, 18. Schaufelberger (Andersen) 2:0, 21. Boner (Ganz) 3:0, 28. Schaufelberger (Pozzorini), 30. Lüthi (P.Meyer) 4:1 (PP), 33. M.Schütz (Lüthi) 4:2, 37. Lüthi (Nägeli) 4:3, 39. M.Schütz (P.Meyer) 4:4, 59. Lemm (Boner, Pozzorini) 5:4, 59. Buri (P.Meyer) 5:5, 65. 6:5 (SO)
Strafen: Bülach 2-mal 2 Min   ;    Brandis 3-mal 2 Minuten
Bülach: Zucchetti; Bucher, Pozzorini; Ronner, Büsser; Waller, Thomet; Walder, Lemm, Boner, Ganz; Halberstadt, Tonndorf, Schaufelberger; Andersen, Ottiger, Lanz; Basarte, Giacobbe, Urech.
Brandis: L.Gasser; Scheidegger, Oberli; Seematter, Mosimann; Schaad, M.Schütz; Tschanz; Nägeli, Lüthi, P.Meyer; Buri, Holzer, R.Schütz; Steiner, Schlapbach, Messerli; Gurtner, Hain, Liechti.
Bemerkungen:
Bülach ohne Pfister, Däscher
Brandis ohne M.Meyer, Witschi, M.Gasser (alle rekonvaleszent), Blaser (abwesend)