VF1: Brandis - Star Forward 4:5

Hains Tor PO VF1

EHC Brandis – Star Forward 4:5 (2:0, 2:4, 0:1) – Serie: 0:1

Brandis führt zweimal und verliert dennoch

Von Päscu Müller

Es war das Spiel der schnellen Tore. Brauchte Brandis zur 2:0-Führung eine halbe Minute, glich Star Forward innert vierund-zwanzig Sekunden wieder aus. Abermals legten die Emmentaler zwei Tore vor, die Star Forward mit dem 4:4 innert Kürze wieder ausglich. Der EHC Brandis brachte zweimal eine Zwei-Tore-Führung nicht über die Runde und mussten zum Schluss prompt als Verlierer vom Eis.      

Dieses Spiel ist rekordverdächtig. Nicht was die Spielweise betrifft, aber die Torfolge hatte es in sich. In einunddreissig Sekunden zum 2:0 Vorsprung der Emmentaler, der innerhalb von vierundzwanzig Sekunden zum 2:2 wieder verspielt wurde. Dann immerhin siebenundsiebzig Sekunden zur 4:2-Führung für Brandis, die Star Forward in schlappen dreiunddreissig Sekunden wieder ausglich. Viermal zwei Tore innert Kürze. Für diese junge Liga ist dies bestimmt ein Rekord. Damit aber nicht genug, denn Brandis brachte diese beiden Zwei-Tore-Führungen nicht über die Runde, verpasste das 3:0 oder 5:2 und musste schliesslich mit einer bitteren 4:5 Niederlage vom Eis. «Wir haben nach den Führungen schlicht nicht gut reagiert», meinte auch der Torschütze zum 2:0 Sandro Hain. Stimmt, beispielsweise nach dem 2:0 im Powerplay. Oder wenn die fatale letzte Minute des Mitteldrittels mit zwei Gegentoren binnen einer halben Minute nicht gewesenwäre. Star Forward wirkte in der Schlussphase irgendwie hungriger als Brandis. Genau dieses Hungrig-sein zeigte der Kapitän der Waadtländer David Delessert viereinhalb Minuten vor der Sirene mit seinem Siegestreffer. Er nutzte seine Chance eben entschlossen aus. Dementsprechend frustriert wirkte auch Sandro Hain: «Jetzt im Moment ist das Scheisse» gab er seinen Gefühlen freien Lauf. «Wir sind aber lange genug dabei, das sind Playoffs und am Dienstag geht es weiter», blickt Hain voraus. Genau da muss der EHC Brandis ansetzen. Eine vehemente Reaktion ist gefragt, um nicht schon vorzeitig mit dem Rücken zur Wand zu stehen.

Zwei Tore innert dreissig Sekunden
Mit einer knappen halben Stunde Verspätung – Star Forward stand im Stau – wurde die Partie angepfiffen und sie begann druckvoll. Einen ersten Abschluss verpasste beispielsweise Verteidiger Lukas Mosimann nur knapp. Auf der anderen Seite zielte Yann Millet über das Brandis Tor. Kurz darauf musste der Waadtländer Keeper David Fragnoli sein ganzes Können unter Beweis stellen, um Patrick Meyers Schuss mit dem Bein zu entschärfen. Ein durchaus lebendiger Beginn in diese Playoffs. Nach rund acht Minuten sahen sich die Emmentaler erstmals in Unterzahl. Es war wieder eine Bankstrafe wegen unkorrektem Spielerwechsels. Die ganzen zwei Minuten mit einem Mann weniger runterspulen, musste Brandis nicht, denn nach etwas mehr als der Hälfte der Zeit, musste Tony Matewa ebenfalls in die Kühlbox. Grund dafür war eine unkorrekte Ausrüstung. Unter dem Strich blieb den Emmentalern eine Minute Überzahl, die jedoch nicht genutzt werden konnte. Kaum waren beide Teams wieder zu fünft, schlug Brandis dennoch zu. Es war Marco Meyer, der einen mustergültigen Pass von Adrian Steiner in die Mitte zum 1:0 verwertete. Das war noch nicht alles. Nur eine halbe Minute später lag der EHC Brandis mit 2:0 in Front. Beim zweiten Tor der Emmentaler drückte Sandro Hain ein Zuspiel Marco Blasers über die Linie. Brandis wirkte in diesen ersten zwanzig Minuten von Beginn an wesentlich entschlossener, als noch im Cup-Spiel vom vergangenen Samstag gegen Wiki. Dies wurde mit einer Zwei-Tore-Führung belohnt. Diese Entschlossenheit sollte aber zunehmend abnehmen, vor allem im letzten Drittel war davon wieder weniger zu sehen.

Spiel der schnellen Doppel-Tore
Die Überzahl Brandis’ zu Beginn des Mitteldrittels konnte nicht ausgenutzt werden. Nach etwas mehr als vier Minuten, standen dann die Waadtländer mit einem Mann mehr auf dem Eis. Doch die Box der Emmentaler liess kaum etwas zu. Wieder bei Vollbestand, wanderte kurz darauf erneut ein Waadtländer in die Kühlbox. Die hochstehenden Romands machten es Brandis richtig schwer das Powerplay überhaupt zu installieren. Für einen ersten Abschluss brauchte Brandis hundert Sekunden. Ein Zweiter folgte nicht mehr. Die Westschweizer wurden zunehmend entschlossener und somit gefährlicher. Dies rächte sich bitter. Erst war es Guillaume Leva der den Anschlusstreffer zum 2:1 mit einem riesen Kracher erzielte und keine dreissig Sekunden später Julien Brot mit dem Ausgleich zum 2:2. Die Reaktion der Emmentaler folgte da noch prompt. Es war Michael Gurtner der seine Farben wieder in Front schoss. Doch auch dieses 3:2 hatte nicht lange Bestand. Etwas mehr als eine Minute später, hatten die Emmentaler ihren Zwei-Tore-Vorsprung wieder, denn Patric Buri trifft zum 4:2. Alles beim Alten? Nein, denn in der letzten Minute des mittleren Abschnittes, kassiert Brandis doch tatsächlich wieder zwei schnelle Tore. Erst traf Eliott Meyrat in Überzahl zum 4:3 und nur Sekunden später Yann-David Lahache zum 4:4. Es war das zweite Mal, dass Brandis einen zweifachen Vorsprung innert Kürze preisgab. Eigentlich unverständlich. Im letzten Drittel war das Spiel ergo wieder völlig offen. Beide Teams hatten ihre Chancen, für Brandis beispielsweise Sven Nägeli. In Überzahl dann Marco Meyer, der am ausgezeichneten Fragnoli scheiterte. Auf der anderen Seite hielt Lukas Gasser kurz darauf sein Team mit einem Big-Save im Spiel, um sich dann Sekunden später dennoch geschlagen geben zu müssen. Erstmals lagen die Waadtlaänder durch ein Tor des Kapitäns David Delessert in diesem Spiel in Führung und behielten die gar bis zum Schluss. Denn darauf hatten die Emmentaler keine Antwort mehr. Wer zweimal eine 2-Tore-Führung verspielt, muss sich auch an der eigenen Nase nehmen, dieses Spiel nicht ins Trockene zu bringen. Von der Entschlossenheit des ersten Drittels, war im Letzten jedenfalls nicht mehr viel zu sehen. Die Waadtländer irgendwie hungriger. Es scheint schon leichtfertig, wie dieser mögliche Sieg aus den Händen gegeben wurde. Darauf muss am Dienstag eine vehemente Reaktion gezeigt werden, will Brandis nicht schon nach zwei Spielen mit dem Rücken zur Wand stehen.    

(pmu)

Telegramm: EHC Brandis – Star Forward 4:5 (2:0, 2:4, 0:1)
Sportbetriebe Brünnli, Hasle BE. – 256 Zuschauer – Schiedsrichter: Fausel, Wittwer / Pfister

Torfolge: 12. (11:10) M.Meyer (Steiner, M.Schütz) 1:0. 12.(11:41) Hain (Blaser, Gurtner) 2:0. 30.(29:03) G.Leva (M.Leva, Fasel) 1:2. 30.(29:27) Brot (Matewa) 2:2. 33. Gurtner (Schaad, Steiner) 3:2. 34. Buri (P.Meyer, Nägeli) 4:2. 40.(39:22) Meyrat (Millet, Matewa/Ausschluss Buri) 4:3. 40.(39:55) Lahache (Stasny, Devesvre) 4:4. 56. Delessert (Lahache) 4:5.
Strafen: Brandis 3mal 2 Minuten. Star Forward 5mal 2 Minuten.
Brandis: Gasser; Seematter, Liechti; Mosimann, M.Schütz; Schaad, Tschanz; Nägeli, Buri, P.Meyer; Steiner, Lüthi, M.Meyer; Gurtner, Schlapbach, Blaser.
Star Forward: Fragnoli; Meyrat, Fasel; Matewa, Stemer; Devesvre, Diem; Piquerez; Delessert, Lahache, Stasny; Derder, Millet, Mora; Brot, J.Gachet, A.Gachet; M.Leva, G.Leva, Di Lullo.
Bemerkungen:Brandis ohne R.Schütz, Messerli, Holzer, Oberli, M.Gasser (alle verletzt)
Star Forward ohne Riedi

Interview Sandro Hain, Torschütze zum 2:0