Brandis-Thun 1.Spiel 3:5

EHCB EHC Thun 1
EHC Brandis – EHC Thun 3:5 (1:1, 0:3, 2:1)
Erneuter Fehlstart von Brandis
Von Ernst Marti
Wie schon im Halbfinal gegen Wiki legte der EHC Brandis im ersten Finalspiel gegen den EHC Thun einen veritablen Fehlstart hin. Die läuferisch ebenbürtigen Oberländer kamen, vor allem dank einem starken Mitteldrittel, gegen die oft zu kompliziert spielenden Emmentaler zu einem auch von der Höhe her verdienten 5:3-Sieg.
Mit dem EHC Brandis und dem EHC Thun bestreiten zwei Teams den Zentralschweizer Erstligafinal die schon die Qualifikation und die Masterrunde dominiert hatten. Favorit in dieser ersten Partie wäre eigentlich der EHC Brandis gewesen, der in drei der vier bisherigen Begegnungen gegen die Oberländer als Sieger vom Eis gegangen war. Doch die Playoffs haben bekanntlich ihre eigenen Gesetze und die im Teamdurchschnitt gesehen drei Jahre jüngeren Thuner behielten am Ende das bessere Ende für sich. Den 751 Zuschauern, was einen neuen Saisonrekord bedeutet, wurde während 45 Minuten rassiges und faires Eishockey geboten und erst in der letzten Viertelstunde kamen beidseits teilweise recht unrühmlich die Emotionen hoch.
Ausgeglichenes Startdrittel
Schon im Startabschnitt bekundeten die Emmentaler Mühe ihr gewohntes Tempospiel aufzuziehen und der Puck landete zu oft auf dem Stock eines Gegners. Obschon sich beide Teams gute Möglichkeiten erarbeiteten, dauerte es doch 17 Minuten ehe der frei zum Abschluss kommende Michael Reinhard nach Vorarbeit von Sven Nägeli das 1:0 zugunsten von Brandis erzielte. Lange konnten sich die Einheimischen an diesem Vorsprung nicht freuen, denn 47 Sekunden vor der ersten Pause nutzten die Gäste die erste Überzahlsituation im bisherige Spielverlauf um durch den frei zum Abschluss kommenden Fabian Boss den Gleichstand wieder herzustellen.
Thuner Gala im Mitteldrittel
Aus der Sicht von Brandis war das Mitteldrittel sicher ein Spielabschnitt zum Vergessen. Während den Oberländern praktisch alles gelang, wollte bei den Emmentalern überhaupt nichts klappen. Das Defensivverhalten war katastrophal und im Offensivbereich vermochten sie ebenfalls keine Akzente zu setzen. Zwar hatten die Platzherren in der 24. Minute ebenfalls die Möglichkeit erstmals in Überzahl zu spielen, das Boxplay der Gäste funktionierte jedoch zu gut. Es war gemessen an den Spielanteilen schon fast ein Tor mit Ansage, das in der 29. Minute Thun durch Rossel mit 2:1 in Führung brachte. Die Emmentaler spielten weiterhin ohne grossen Zusammenhang und wenn sie zu einer Abschlussmöglichkeit kamen, war beim stark spielenden Thuner Keeper Gregory Steiner Endstation. Auch das Timeout von Brandis nach dem 1:3 durch Kachramanow in der 32. Minute nutzte nicht viel. Keine vier Minuten später kassierten die in Überzahl spielenden Einheimischen nach einem Scheibenverlust der eher peinlichen Art eines Verteidigers durch einen Shorthander bereits das 1:4.
Unrühmlicher Schlussabschnitt
Gab es bis zur 47. Minute für Brandis zwei und für Thun vier kleine Strafen, änderte sich das abrupt. Auslöser war Brandis
Verteidiger David Malicek, der völlig unnötig den Thuner Torhüter Gregory Steiner derart heftig attackierte, dass dieser mit Verdacht auf Gehirnerschütterung nicht mehr weiterspielen konnte und durch den 19-jährigen Sven Boss ersetzt werden musste. Von da an erlebte die Kühlbox auf beiden Seiten eine Dauerbesetzung, so dass Brandis inklusive einer Matchstrafe und nach Spielende noch mit zwei Spieldauer-Disziplinarstrafen auf insgesamt 85 und Thun auf 20 Strafminuten kam. Zwar gelang Brandis in den turbulenten letzten drei Minuten mit zwei Toren von Blaser und Nägeli noch eine kleine Resultatverbesserung, doch am objektiv betrachtet verdienten Sieg der Oberländer konnte das nichts mehr ändern.
Am nächsten Dienstag kommt es in Thun zum Spiel Nummer zwei der Serie und man darf auf die Reaktion von Brandis auf diese Startniederlage gespannt sein.
Stimmen zum Spiel
Daniel Bieri, Captain des EHC Brandis
"Uns ist heute leider die Umstellung vom Wiki-Eishockey zum Thuner-Eishockey absolut nicht gelungen. Wir haben uns zwar viel vorgenommen, konnten das jedoch leider nicht umsetzen. Nachdem wir mit einem 1:1 in die erste Pause gingen wollten wir zweiten Drittel zulegen, was gründlich missriet. Die Aktion von David Malicek war nicht gut und ist sicher ein falsches Zeichen. Er gehört jedoch weiterhin zu unserer Mannschaft und hat unsere Unterstützung. Szenen in denen Spieler verletzt werden suchen wir bestimmt nicht. Im nächsten Spiel müssen wir wieder zu unserem Spiel zurück zu kehren und das was wir können zu hundert Prozent umzusetzen."
Christoph Schenk, Headcoach EHC Thun
"In den Playoffs spielt die Höhe des Resultats keine Rolle, es geht schlicht und einfach um Sieg. Das hat Brandis gegen Wiki erlebt und wir gegen Lyss. Brandis verfügt zwar über eine überragende Mannschaft und hat auch oft dominiert, aber wir sind glücklich, dass wir dieses Spiel gewinnen konnten. Wir machten heute einfach ein bedeutend weniger Fehler als der Gegner. Die harte Note in der letzten Viertelstunde wurde nicht von uns, sondern vom Gegner ins Spiel gebracht."
Telegramm
Sporthalle Brünnli, Hasle b.B. – 751 Zuschauer – Schiedsrichter: Weber; Lambert / Bichsel
Torfolge: 17. Reinhard (Nägeli) 1:0, 20. Boss (Studerus, Lüthi / Ausschl. Bieri) 1:1, 29. Rossel (Kachramanow, Zürcher) 1:2, 32. Kachramanow 1:3, 36. Boss (Rossel /Shorthander Ausschl. Lorenz) 1:4, 47. Kachramanow (Rossel, Studerus / Ausschl. Malicek) 1:5, 57. Blaser (Sägesser, Kohler) 2:5, 59. Nägeli (Martin Gasser, Prinz) 3:5
Strafen: Brandis 10-mal 2 Minuten plus 1-mal 5 plus Matchstrafe (Malicek) plus 2. Spieldauer-Disziplinarstrafe in der 60. Minute (Bieri, Sägesser), Thun 10-mal 2 Minuten
Brandis: Lukas Gasser; Prinz, Oberli, Reinhard, Patrick Meyer, Malicek, Bieri, Buri, Sägesser, Blaser, Steiner, Hain, Nägeli, Bösiger, Holzer, Renato Schütz, Seematter, Gurtner, Kohler, Markus Schütz, Martin Gasser
Thun: Gregory Steiner (ab 47. Boss); Neff, Weber, Kaufmann, Boss, Nicolas Steiner, Allemann, Hebeisen, Keller, Lorenz, Lüthi, Eicher, Kachramanow, Fankhauser, Leist, Bartlome, Zürcher, Rossel, Joch, Studerus, Kohler.
Bemerkungen: Brandis ohne Mosimann (verletzt); 31:54 Timeout Brandis; 46:27 Thun: Torhüter Gregory Steiner nach Grobem
Foul von Malicek verletzt ausgeschieden