Thun - Brandis 2. Spiel

 

Beutler mit Mannschaft
EHC Thun - EHC Brandis 5:3 (1:0; 2:2; 2:1)
Brandis droht das Saisonende
von Leroy Ryser
Auch wer besser ist, kann als Verlierer vom Platz gehen: Dem EHC Brandis ist dies am Dienstagabend in Thun passiert. Obwohl die Hasle-Rüegsauer besser waren und phasenweise dominierten, mussten sie bereits zum zweiten Mal mit einer Niederlage vom Platz. Nun droht ihnen eine deutliche Finalniederlage. Im heutigen Heimspiel heisst es deshalb: Siegen oder in die Ferien fliegen. 
Es war so etwas wie ein Fehlstart nach dem Fehlstart: Der EHC Brandis musste nach nur drei Minuten im Auswärtsspiel bereits den ersten Rückstand hinnehmen. Bereits in den ersten Minuten hatten die Brandis-Akteure Mühe mit der Zuteilung, auch weil die Thun-Spieler früh zu kontern und zu reagieren versuchten. Der EHCB kam dadurch mehrfach zu spät und musste sich auf Torhüter
Michael Kaufmann verlassen, der nur einmal ebenfalls zu spät kam. Dieses eine Mal im eins-gegen-eins führte aber zum Gegentor erzielt von Pascal Leist, welches die Brandis-Spieler noch länger beschäftigten sollte. Nach der Niederlage in Spiel eins, musste der EHCB bereits wieder einem Rückstand hinterherspringen – der zweite Fehlstart hinterliess Spuren. Denn trotz zahlreichen Chancen, Überlegenheit und Spielkontrolle gelang der Ausgleich bis zur ersten Pause nicht.
 
Fehlstart Nummer 2 folgte dann bei der nächsten Rückkehr aufs Eis. Dieses Mal waren die Brandis-Spieler aber nicht alleinig schuld. Referee Thomas Aegerter pfiff gegen den EHC Brandis sehr konsequent und stellte in dreieinhalb Minuten gleich vier
Spieler raus, während er bei Thun die Zügel schleifen liess. Das Beutler-Team reagierte aber mit hartnäckigem Willen und behielt bei der langen doppelten Unterzahlzeit die Nerven. Umso ärgerlich war dann, dass in der 31. Minute ein Konter bei nummerischen Gleichstand dennoch zum 2:0 führte.
 
Vermeintliche Wende 
Brandis gelang es nach dieser Unterzahlphase die Partie wieder zu wenden und die Überhand zurückzugewinnen. In der 30. Minute durfte Patric Buri zu einem Penalty antreten nachdem er gefoult wurde, genauso wie Marco Blaser eine Minute später aus dem Spiel heraus, scheiterte aber auch er im eins-gegen-eins mit Gregory Steiner. 
Brandis steckte aber nicht auf und powerte weiter. Mit dem Vorangehen von Marco Blaser: Dieser holte eine Scheibe zurück, spielte sie an die blaue Linie und dort schoss Markus Schütz das Spielgerät direkt ins Tor. Das 1:2 war aber noch nicht
alles: Blaser dribbelte sich wenig später in Überzahl durch die gegnerische Abwehr und glich aus. Alles wieder in Ordnung? Ja – aber nur für 80 Sekunden. Dann nämlich unterlief Michael Kaufmann ein ärgerlicher Patzer. Er konnte die Scheibe nicht auffangen, der Abpraller verwertete Yannick Joch, weil er am schnellsten reagierte. „Irgendwie ist es so, dass wir während Druckphasen
Gegentore kassieren“, sagte Captain Daniel Bieri. Dies und die zahlreichen gegnerischen Konter muss Brandis unbedingt in den Griff kriegen – auch wenn es für die zweite Finalpartie bereits zu spät war.
 
Chancen nicht genutzt 
Der eine Treffer vom Fehlstart blieb theoretisch über das letzte Drittel hinaus bestehen und dort bemühte sich Brandis weiterhin und blieb dennoch erfolglos. In der 50. Minute beispielsweise hatte Marco Blaser die beste Chance des Spiels, als er nach einem Querpass von Renato Schütz an Gregory Steiners Beinschoner scheiterte. Thun war dann effizienter: als Michael Kaufmann einer
Scheibe entgegensprintete und ein Fehlpass spielte, waren die defensiv spielenden Thuner erstmals wieder gefährlich. Und prompt war es Nicolas Steiner, der im zweiten Versuch mit einem Buebetrickli-ähnlichen Versuch den unvorteilhaft aussehenden Kaufmann bezwang. Ärgerlich für den Favoriten Brandis, wie auch Matthias Seematter nach der Partie bestätigte: „Wir haben auf das Tor gedrückt und sie hatten mehr Glück“, bilanzierte der Verteidiger und hängte mit Zuversicht an: „Thun ist nicht nur schlagbar, Thun muss man schlagen. Vor allem mit unserem Team.“
 
In den fünf verbleibenden Minuten konnte Brandis in Überzahl nach einem Abpraller von Steiner durch Sven Nägeli auf 4:3 verkürzen, zum Schluss reichte es aber dennoch nicht. Bevor Brandis zu sechst spielen konnte, entwischten die Thuner in einem der zahlreichen Konter zu dritt und erzielten das entscheidende 5:3 durch Joel Eicher. 
Mit dem zweiten Seriensieg für den EHC Thun steht Brandis am Abgrund. Eine weitere Niederlage, am Donnerstag Abend im heimischen Brünnli, mag es keinesfalls leiden, ansonsten ist die Saison vorbei. Die Brandis-Spieler sind aber zurecht zuversichtlich. Können die Konter verhindert und die Chancen ausgenutzt werden, wird die Überlegenheit der Hasle-Rüegsauer Früchte tragen. „Es braucht drei Siege. Vorher ist nichts entschieden“, sagte denn auch Captain Bieri pragmatisch und hoffnungsvoll. Die negativen Gefühle müsse man nun in Wut, Kraft und Wille umwandeln, dann könne der erste Sieg realisiert werden. „Am Donnerstag muss jeder im Stadion von der ersten Minute an spüren, wer diesen Sieg mehr will. Dann schaffen wir das“, kündigt Bieri weiter an. 
Matchtelegramm: 
KEB Grabenhalle. – Zuschauer: 802. – SR: Aegerter, Rentsch/König. 
Tore: 3. Leist (Kaufmann, Joch) 1:0. 31. Lorenz (Studerus) 2:0. 33. Markus Schütz (Blaser) 2:1. 37. Blaser (Gasser/Ausschluss Neff) 2:2. 38. Joch 3:2. 55. Nicolas Steiner (Boss) 4:2. 58. Nägeli (Seematter, Buri/Ausschluss Hebeisen) 4:3. 59. Eicher (Joch) 5:3.
Strafen: Thun: 7x2 Minuten; Brandis: 7x2 Minuten.
Brandis: Kaufmann; Markus Schütz, Witschi; Seematter, Oberli; Prinz, Bösiger; Martin Gasser, Reinhard; Blaser, Sägesser, Renato Schütz; Nägeli, Holzer, Buri; Patrick Meyer, Bieri, Kohler; Gurtner, Hain, Steiner. 
Bemerkungen: Brandis ohne Malicek (gesperrt), Mosimann (verletzt) und Marco Meyer (überzählig). 30. Buri verschiesst Penalty. 59:40-60:00 Brandis ohne Torhüter Kaufmann zu Gunsten eines sechsten Feldspielers.